880 Jahre Wahnbek

 

Der Ort Wadinbechi wird erstmals 1124 geschichtlich erwähnt. In einer Bestätigung der Rechte des Klosters Rastede durch den Papst Calirtus II vom 27. September ist der Ursprung des Ortes zu sehen. Im Laufe der Jahrhunderte wird der Ort auch Wadembeke, Wagenbeke und Wahnbeck genannt. Seit der Verwaltungsreform 1933 gehört Wahnbek zum Ammerland.

Die Stammhöfe

Stammhof Wienken, An der Bäke 35

(1581) Oltmann Wienken. Heute: Gerold Harms
Wienken war ebenso wie die beiden anderen Wahnbeker Stammhöfe im Mittelalter, leibeigener Besitz des Klosters Rastede.
Wie viele andere auch, hatte Oltmann Wienken große Geldsorgen. Grund dafür war zum einen die überhöhte Steuerlast und zum anderen die Mitgiften, die an zahlreiche Geschwister auszuzahlen waren. Dieser "Brautschatz" brachte Wienken 1687 kurz vor den Konkurs.


Stammhof Oldejohanns, An der Bäke 29

1581 Oldejohannshus. Heute: Gut Wahnbek, Christian Meyer Hullmann. Die Familie Oldejohanns soll aus Schweden stammen. Der Name ist im Oldenburger Land einzigartig. Der letzte Oldejohanns ist im Weltkrieg 1914 gefallen. Hullmann vereinigte den Hof mit dem benachbarten Klockgetherhof. Das heutige landschlossartige Gebäude einschließlich der Scheune wurde 1905 erbaut.


Stammhof Klockgether, An der Bäke 40

Die älteste nachweisbare Familie in Wahnbek ist die Familie Kloggeter Johan Kloggeter to Waenbek ist erstmals 1549 erwähnt. Der Hof wurde 1891 mit dem damaligen Oldejohannshof, dem heutigen Gut Wahnbek, zusammengelegt. 1898 wurde das Haus abgerissen, später befanden sich dort die Hullmannschen Gewächshäuser, heute steht dort das Privathaus von Dr. Klaus-Emmo Hullmann.

Die Köterhöfe

Aus der Grafenzeit (1603-1667) stammen 3 Köterhöfe.

 
 

1.Butjadinger Straße 79. Begründet 1621
Hinrich Könneken. Älteste Köterei in Wahnbek auf dem Hohbrink
Heutiger Besitzer: Gerd Dannemann

2.Butjadinger Straße 71. Begründet ca. 1653
Johann tom Buttel
Heutiger Besitzer: Alma zur Mühlen

3.Butjadinger Straße 59. Begründet 1654/1657
Dietrichs Johanns. Hausname "Diers sien"
Heutiger Besitzer: Albertus von den Bergh


In der Dänenzeit (1667-1773) folgten dann:

1. Butjadinger Straße 37. Angesetzt 1678
Hausname: "Bargmanns Hus"Das Haus wurde 2004 leider abgebrochen.

2. Butjadinger Straße 13. Angesetzt 1734
Dierk Klockgether

3. Fischteichstraße 30. Angesetzt 1703
Lisa Schröder

4. Dietrich Blohm Weg 5. Angesetzt 1703
Hausname: "Grote Zeh"
Johann Seyen

5. Hohlweg 24. Angesetzt 1727
Dierk Klockgether6. Hohlweg 17. Bewilligt 1748
Hausname: "Littje Zeh"
Dennis Amme

7. Hohlweg 29. Angesetzt 1754
Günther Steenken


8. Sandbergstraße 56. Angesetzt 1766

Hausname: "Lühr sien Hinnerk sien"
Günther Bremer

9. Schulstraße 88. Die Schule

10. Hohe Brink 50. (1798)
Rolf Hoting

11.Oldenburger Straße 1 (1793)
Else Johannes

12.Oldenburger Straße 21. (1808)
Hausname: "Hasen Küpker"
Alma Fröllje

13.Oldenburger Straße 13 (1904)
Karl Heinz Küpker

Über Olde Johanns (auch Olljanns genannt) gibt es zahlreiche Sagen und Geschichten.
Eenmals dor harr Feldhus van Grootfeldhus Striet mit Klocks (Klockgether). Feldhus forderde em up Duell. Klocks troode sick nich un froog sien Naaber Olljanns, off he em nich helpen wull. Olljanns sä: "Jo, dat do ick !" Eenes Morns, dor reeden se los bi Sunnenupgang. Olljanns keek dör sien Feldglas und sä: " Dor gunnen kummt he. Schall ick dor is een henbrennen?" Klocks meende, dat weer noch to wiet . "Och," sä Olljanns, "ick willt mol versöken". He nei dor een hen und schoot Feldhus den silbernen Knoop von Sadel. Dor reep Feldhus:" Mit di kämpf de Düwel, awer ick nich !" (Mündliche Überlieferung von Herrn Mohr, Ohmstede. Aufgeschrieben von Dr. Munderloh)

Die Köter waren zum großen Teil abgehende, nicht erbende Söhne der Hausleute. In der Anfangszeit standen die Köter zunächst sehr ärmlich dar, sie mussten alles in mühevoller Arbeit selber erschaffen. Wer nicht nur in einer Erdhütte lebte, nannte bestenfalls eine Kate von 3 Fach Länge ( etwa 12 Meter) sein eigen. Vom "Kohlgarten beim Hause" und den zugewiesenen 3-4 Scheffel Saat (etwa 2500 qm) wurde der Lebensunterhalt mehr schlecht als recht bestritten. Durch die Gemeinheitsteilung 1805 erhielt jeder Köter in Wahnbek und Ipwege 10 Jück (ca. 5 ha) dazu. Durch Zukauf umfasste somit eine normal entwickelte Köterstelle später etwa 20 Hektar.

Zu Graf Anton Günthers Zeit gab es die Wahnbeker Teiche.
Zwei längliche Teiche füllten zwischen der heutigen Butjadinger Straße und der Oldenburger Straße das Tal der Wahnbäke aus. Sie wurden in Höhe des Hohlweges durch einen Damm, den Hogendiek, von einander getrennt. In einer Überlieferung vom Mai 1635 heißt es: " Ist der Wadenbeker Teich gefischet und daraus gefangen worden 72 Stück Karpfen".
Nach dem Tode des letzten Grafen verlandeten die Teiche und wuchsen zu. Kein Wunder, lag doch die Hofhaltung jetzt in Kopenhagen. Zwar erteilte der Stadthalter 1672 und 1674 den Befehl, die Teiche instandsetzen zu lassen, aber es geschah nichts. Im Laufe der Zeit wechselten mehrfach die Besitzverhältnisse. 1758 kauften die beiden Anlieger, die Köter Dierk Klockgether und Harm Harms den vorderen der beiden Teiche und nahmen die Fläche in landwirtschaftliche Nutzung. Mit dem Bau der Autobahn entstand hier 1976 wieder ein Teich, wenn auch deutlich kleiner. Die Erinnerung an die Teiche ist in dem Straßennamen "Fischteichstraße" bewahrt.

In der Dänenzeit waren die Abgaben für die Bauern eine schlimme Belastung. Besonders in den ersten Jahren nach der dänischen Machtergreifung wurden rücksichtslos Pfändungen, Zwangsein-quartierungen und Gefängnisstrafen verhängt. Wer seine Abgaben nicht unverzüglich ablieferte wurde eingesperrt. 1669 saßen alle drei Wahnbeker Bauern in Arrest. Zu allem Unglück raffte die Pest Anfangs der 70er Jahre über 300 Untertanen dahin. Der Handel kam völlig zum erliegen. Nach Jahren endlich lenkte die dänische Regierung ein. 1693 erfolgt eine erhebliche Steuerermäßigung.

Nach zwei vergeblichen Versuchen in den Jahren 1658 und 1725 wird Anfang 1772 wieder der Wunsch nach einer Schule laut. In dem Gesuch heißt es: "...schon bei gräflichen Zeiten im Jahre 1658 um eine Schule zu Wahnbecke Ansuchung gethan," ".... aber wegen des Ohrts dawider protestiert und also die Schule zu Etzhorn, alwo sie jetzo noch stehet, errichtet worden." Da jedoch der Etzhorner Schulmeister Haake für den Verdienstausfall entschädigt werden wollte, konnte mit dem Bau erst 1782 nach dessen Ableben begonnen werden. Am 16. November 1785 war das Werk vollendet. Das Gebäude an der Schulstraße 88 liegt heute etwas versteckt zwischen Häusern und Gärten, und wird noch bewohnt.

Der älteste Verkehrsweg durch Wahnbek ist die heutige Butjadinger Straße. Der Loyer Weg, so hieß diese Straße bis 1933, führte schon in alter Zeit von Nadorst über Wahnbek, Großenmeer, Strückhausen bis nach Butjadingen hinauf. Nach der Pflasterung etwa um 1850, wurden vielfach Schlagbäume errichtet und Wegegelder erhoben. Die Instandhaltung der Straße oblag den "Untertanen", was für diese besonders in der nassen Jahreszeit sehr schwierig war. 1896 wurde die Eisenbahnstrecke Oldenburg - Brake eröffnet. (siehe "Die Gummibahn")

Unseren Vorfahren waren Annehmlichkeiten wie elektrisches Licht, fließendes Wasser oder Maschinen und Apparate für Haus und Hof natürlich fremd. Die wenige Freizeit verbrachten die Frauen mit spinnen, die Männer strickten, banden Besen oder flochten Körbe. Dabei wurden am offenen Feuer alte Sagen, Räubergeschichten, Dorftratsch und Neuigkeiten erzählt. Es herrschte Zucht und Ordnung, auch beim Gesinde. Wer ausgehen wollte, natürlich erst nach Feierabend, musste zuvor um Erlaubnis fragen.
In den Jahren 1956/57 wurde mit dem Bau der Wasserleitung begonnen. Mit Schaufel und Spaten wurden die Rohre aus Eisen verlegt. Besonders für die Einwohner, die nicht über einen eigenen Brunnen verfügten, entstand hiermit ein beachtliches Stück Lebensqualität.

Nach dem zweiten Weltkrieg lebten in Wahnbek 623 Einwohner. Durch den Zustrom von Neubürgern, darunter viele Flüchtlinge aus Schlesien, Ostpreußen und Pommern, herrschte große Wohnungsnot. In dieser Zeit entstanden Notwohnungen in Baracken, zwischen der heutigen Schul- und Sandbergstraße sowie der Oldenburger- und Jadestraße.
Erst 1965 entstanden die Mehrfamilienhäuser an der Havelstraße und Oderstraße. In den folgenden Jahren setzte eine kontinuierliche Siedlungsentwicklung ein.
Vierzig Jahre später, also 1986, hatte sich die Einwohnerzahl bereits mehr als verdreifacht, 2109 Einwohner waren in Wahnbek gemeldet.
Dieser enorme Anstieg brachte folglich auch die Errichtung bzw. Erweiterung sozialer Einrichtungen und den Ausbau der Infrastruktur mit sich.
1969 wurde der Kindergarten errichtet. 1971 wurde die Schule um 6 Klassenräume erweitert und zur Mittelpunktschule für den Südteil der Gemeinde Rastede.
Die Butjadinger Straße (K143) wurde 1976 von der Fischteichstraße bis zum Ipweger Krug auf das heutige Maß ausgebaut und mit Straßenbe- leuchtung sowie Fuß- und Radweg versehen. Die Ampelanlage Schulstr./Butjadinger Str. entstand erst 1977, ebenso die Brücke der Butjadinger Straße über die Autobahn. Die A29 wird am 26. Oktober 1978 für den Verkehr freigegeben.

Am 14. Oktober 1966 wurde auf Initiative von Hans Hoffhenke, Cornelius Schmidt, Ewald Spinneker und Fritz Hillen aus Wahnbek, und Heinrich Harms, Heino Behrens, Ulrich Hoff und Heinrich Wiemken aus Ipwege, der Ortsverein Wahnbek Ipwege gegründet. Den Vorsitz übernahm bis 1973 Hans Hoffhenke.
Von 1976 bis 1994 hat Hans Hoffhenke einen Pressespiegel geführt. Hier sind alle in der Presse erschienenen Artikel und Berichte aufgeführt. Seit 1995 wird diese Sammlung von Dietrich Tiemeier fortgesetzt.


Klaus Hillen, Wahnbek
Tel:04402 - 4577