Das Dorf Ipwege

 

Ein Dorf von 1428 bis heute.

Zur Zeit der ersten Besiedlung war das Ammerland wesentlich Wald- und wildreicher als heute. Es fehlte auch nicht an Raubtieren. Etwa 1860 wurde im Ipwegermoor der letzte Wolf erlegt.
Wo sich günstige Voraussetzungen für Ackerbau und Weidewirtschaft fanden wurde zuerst gesiedelt. Im allgemeinen siedelten mehrere Familien zusammen, da hierdurch eine größere Sicherheit für die Menschen und ihr Eigentum gewährleistet war. (Bezugsquelle: Baasen-Ammerland S.74) Die Gehöfte wurden häufig unterhalb eines Esches angelegt. - Esch in seiner ursprünglichen Wortbedeutung heißt Ackerflur oder eingehegtes Land.- die bewirtschafteten Fluren, Äcker und Wiesen wurden gegen das freilaufende Vieh und Wild eingewallt. (Niedersächsische Siedlungskunde) Diese Einwallungen haben sich bis heute erhalten und sind durch die Niedersächsische Wallheckenverordnung geschützt. Als Windbrecher und Brutstätte für Vögel erfüllen sie eine wichtige Aufgabe.
Der Tax oder auch Ibenboom genannt, gehört in Deutschland zu den Bäumen die das höchste Alter erreichen. Taxus baccata L. - die Eibe kann mit ca. 3000 Jahren etwa 1000 Jahre älter als die Eiche werden. Sie wird jedoch kaum höher als 15 Meter. Leider ist dieser Baum in unseren Regionen kaum noch zu finden.

Die ältesten Häuser Ipweges lagen eng zusammen. Der Hillenhof (Alt Ipweger Weg 46), der Janssenhof (Alt Ipweger Weg 26) und der Röbenhof (Alt Ipweger Weg 80). Am Esch und an den später kultivierten Ländereien hatte jeder den gleichen Anteil.
In den Mannzahlregistern sind ab 1640 erste Familiennamen zu finden. Zuvor sind in Ipwege lediglich Johann, Hinrich und Röbe "to Ipwegen" bekannt. Die Familiennamen lassen sich auf die Vornamen zurückführen. Hille (Hinrich) = Hillen, Röbe = Röben und Johann = Janssen. Oft standen auch Ortsnamen bei den Familiennamen Pate (Ohmstede, Oldenburg, Munderloh usw.)

Durch die Landbeschreibung von 1681 (Landesarchiv Oldenburg) erfahren wir erstmals von Geldabgaben und Verpflichtungen des Röbe Hillen. Das Haus wird als "Gantz herrschaftlich Leibeigen Bau" von 12 Fächern mit je 3 Taler bewertet. (Ein Fach = 4 Viehstände, Münz und Maßbuch) Bei der Viehzählung 1681 hat Röbe Hillen, im Gegensatz zu den anderen Bauern, nicht die Anzahl seines Hornvieh angegeben. Es heisst lediglich: "Austrifftshornvieh ist schlechte leyder und in Busche"
Nach der Dänenzeit (1667-1773) wurden in Ipwege 29 Köterhöfe (Kleinbauern) gegründet. Der älteste, angesetzt auf 1701 ( Die Ansetzung zu Abgaben erfolgte in der Regel 3 Jahre nach dem Hausbau.), befand sich an der Butjadinger Straße 86. Es wurde etwa 1960 abgerissen. Auf dem gleichen Grundstück, unmittelbar daneben entstand bereits 1839 ein Haus, das vom Käufer Manfred Kumpfer liebevoll restauriert wurde.

Die Köter waren zum großen Teil abgehende, nicht erbende Söhne der Hausleute. In Ipwege hat sich die Familie Röben am stärksten verbreitet, vier Kötereien wurden von ihr begründet. In der Anfangszeit standen die Köter zunächst nur sehr ärmlich dar, sie mußten alles in mühevoller Arbeit selber erschaffen. Wer nicht nur in einer Erdhütte lebte, nannte bestenfalls eine Kate von 3 Fach Länge ( etwa 12 Meter) sein eigen. Vom "Kohlgarten beim Hause" und den zugewiesenen 3-4 Scheffel Saat (etwa 2500 qm) wurde der Lebensunterhalt mehr schlecht als recht bestritten. Durch die Gemeinheitsteilung 1805 erhielt jeder Köter in Wahnbek und Ipwege 10 Jück (ca. 5 ha) dazu. Durch Zukauf umfaßte somit eine normal entwickelte Köterstelle später etwa 20 ha. Inzwischen haben die meisten Bauern aufgegeben. Von ursprünglich 29 Höfen werden heute noch 4 bewirtschaftet.


Die Höfe im einzelnen.

Stammhof Hillen, Alt Ipweger Weg 46
(Heute: Dieter Röbken)

Alard to Ypwede 1504
Der alte Hillen Hof stand sich bis zum Ende des vergangenen Jahrhunderts stets sehr gut. Das Haus hatte 1681 bereits eine Länge von 12 Fach (48m) Auch in der Dänenzeit war bei Hillen nie die Rede von Not oder finanziellen Engpässen. Der steigende Wohlstand spiegelt sich auch in den Mitgiften der Töchter des Hauses wider. Der Hof umfasste 1846 über 273 Jück (152,9 ha). 1862 richtete Gerhard Hullmann eine Brennerei ein, die bis zu seinem Tode 1884 betrieben wurde. Sein Sohn Heinrich Hullmann hat jedoch sehr viel Land verkauft, 1950 gehörten nur noch 51 Hektar zum Hof. Seit 1959 betreibt Dieter Röbken den Hof.

Stammhof Janssen, Alt Ipweger Weg 26
(Brennerei Köster)

Johann to Ibwegen 1581
Das Hauptgebäude ist eine Art friesisches Gulfhaus mit mächtigen Nebengebäuden. Eine alte Truhe mit der Inschrift: Tahlke Wienken Anno 1766, hatte lange ihren Ehrenplatz in der mit zahlreichen Jagdtrophäen geschmückten Vorhalle. Seit 1862 wird auf dem Hof eine Kornbrandweinbrennerei betrieben, zuletzt unter der Leitung von Gerhard Köster. Heutiger Besitzer des Anwesens ist Gerda Köster-Hadeler.

Stammhof Röben, Alt Ipweger Weg 80
(Heute: Klaus Harms)

Hinrich tho Ipwegen, 1581
Nach mündlicher Überlieferung stand das Haus zunächst nahe dem des Hausmanns Hillen. Es ist aber schon 1689 an den jetzigen Platz umgesetzt worden. Das Hauptgebäude, teils mit Fachwerk, teils mit Reitdach, ist von beträchtlicher Länge. Auch auf diesem Hof wurde ein Brennerei betrieben. Der letzte Röben verkaufte den Hof 1899. Übrig war nur noch ein Torso von 24 Hektar. 1908 übernahm Johann Cordes aus Jaderberg den Hof, den er bzw. seine Kinder bis 1985 bewirtschafteten.


Die Köterhöfe.
(alle erst von der Dänenzeit an begründet)

Butjadinger Straße 86, angesetzt 1701
Marten Helmers, heute Manfred Kumpfer

Butjadinger Straße 76, Haus 1902
Gerhard Köntje, heute Vulhop Brunnenbau

Butjadinger Straße 102, Angesetzt 1736
Ipweger Krug bis 1980

Butjadinger Straße 117, Haus 1745
Berend Bunjes, heute Manfred Meins

Butjadinger Straße 110
1894 J. Fr. Hedemann, heute Ursel Fierkens

Butjadinger Straße 122, Angesetzt 1797
Wilhelm Benedixt, heute Volker Darenberg

Butjadinger Straße 133, Bewilligt 1807
Gerd Hillen, heute Heinz Schwarting

Butjadinger Straße 132, Haus 1800
Dierk Könken, heute Heinz Wemken

Butjadinger Straße 142, Haus 1799
J. Fr. Pratje, heute Anne Stubbe

Butjadinger Straße 149, Haus 1777
Hinrich zum Buttel, heute Werner Rosenbohm

Butjadinger Straße 163, Haus 1873
Hinrich zum Buttel, heute Uwe Bonke

Butjadinger Straße 181, Haus 1860
J. Gerhard Hilgen, seit 1995 Wolfgang und Britta Kleesath

Butjadinger Straße 185, Haus 1860
Dierk Seyen, heute Erich Schellstede

Schulstraße, 1896 Ipweger Bahnhof, Haus 1821

Wellenstraße 9, Haus 1790
Johann Röben, heute Erben des Karl Heinz Diedrichs

Wellenstraße 20, Angesetzt 1736
Hausname: Bookweeten Köntje
Alert Hillen, heute Hans Jacobs

Geestrandstraße 25, Angesetzt 1795
Hinrich Behrens, heute Anna Behrens

Geestrandstraße 62,
J. Fr. Harms, heute Bodo Harms

Geestrandstraße 110, Angesetzt 1751
Hausname: Bäkenkamp bzw. in`ne Bääk
Johann Ahlers, heute Heinz Harms

Wiemkenstraße 25, Angesetzt 1766
Hausname: Olm Hillen sien
Marten Röben, heute Dr. Heinrich Hage Hülsmann

Wiemkenstraße 36, Haus 1797
Seit 1900 Windmühle
Oltmann Röben, heute Günther Wiemken

Wiemkenstraße 50, Haus 1896
Hinrich Pieper, heute Helga Lyon

Wiemkenstraße 89, Haus 1923
Georg Wiemken, heute Hans Georg Wiemken

Schafjückenweg 71, Haus 1860
Hinrich Hillers, heute Medizinalrat Gerd Wiese

Heiddornweg 8
Hinrich zum Buttel, heute Jan Küpker

Heiddornweg 14, Haus 1853
Hinrich zum Buttel, heute Manfred von Essen

Heiddornweg 21, haus 1933
Johann Seyen, heute Alma Schmelzkopf

Heiddornweg 30, Haus 1933
Heinrich Behrens, heute Georg Barghop

Feldstraße 44, Haus 1905
Hinrich Kortlang, heute Fredo Kortlang

Die Infrastruktur und die städtebauliche Entwicklung des Dorfes, ist mit der von Wahnbek gleichzusetzen. Auch wenn Ipwege etwa 300 Jahre jünger ist als Wahnbek, gehören diese beiden Dörfer jedoch doch eng zusammen.


Klaus Hillen, Wahnbek
Tel 04402-4577